Irving Zola wurde 1935 in Boston geboren. Ab dem Alter von sechzehn Jahren war er von Symptomen betroffen, die die Medizin unter den Namen Polio, auch bekannt als Kinderlähmung, zusammenfasst. Diese verstärkten sich noch nach einem Autounfall im Alter von neunzehn Jahren.

Er studierte Soziologie an der Boston Latin school und wurde aktiv in der Behindertenbewegung, eine Bewegung, die ihren Anfang in den siebziger Jahren fand und für eine Sensibilisierung spezifischer Bedürfnisse, für Selbstständigkeit und gegen Diskriminierung kämpfte.
Er war einer der Mitbegründer der sogenannten „Disability studies“. Hier wurde sich mit dem gesellschaftlichen Bild der „Behinderung“ auseinandergesetzt. Verteter_Innen sehen Behinderung als ein soziales, gesellschaftliches Konstrukt, welche wiederum nur durch konstruierte Barrieren geschaffen wird. Behinderung ist nicht erklärbar durch reine medizinische Diagnostik und somit auch nicht mit Medizin zu beheben. Es sind Diskriminierung, Barrieren, Behindertenfeindlichkeit etc, die Menschen den gesellschaftlichen Zugang verwehren.

Irving Zola entwickelte die Theorie des sozialen Modells von Behinderung. Behinderung ist demnach keine Krankheit sondern die Unfähigkeit der Gesellschaft Menschen mit speziellen Bedürfnissen zu integrieren. Es impliziert außerdem, dass die ständigen medizinischen Versuche zu „heilen“, „reparieren“ häufig nicht mit dem Einverständnis der „Patient_Innen“ einhergeht. Diese Versuche führen bloß zu einem ständigen Gefühl nicht „richtig“ zu sein, weniger wert zu sein. Dies macht es dementsprechend noch schwieriger, selbstbewusst gegen Diskriminierung und für die eigenen Rechte zu kämpfen.
1982 wurde die Society of Disability studies gegründet. Diese Organisation tritt dafür ein, die Disability studies als akademisches Lehrfach einzuführen. Alle drei Monaten gibt sie eine Zeitung heraus, Disability Studies Quarterly.
„Through research, artistic production, teaching and activism, the Society for Disability Studies seeks to augment understanding of disability in all cultures and historical periods, to promote greater awareness of the experiences of disabled people, and to advocate for social change“ (http://disstudies.org/about/sds-mission/)

Irving Zola schrieb eine Autobiografie mit dem Titel „Missing pieces: A chronicle of Living with a Disability“. Er beschreibt seine Erfahrungen mit einer Behinderung in einer Welt zu leben, in der Stärke und Gesundheit geschätzt wird und als die Norm angesehen werden.

Er starb im Alter von 59 Jahren in Newton, Maas.

Irving Zola und die Bewegung der Disability Studies haben einige unangenehme Wahrheiten offen gelegt. Unsere Gesellschaft ist viel zu wenig darauf ausgelegt Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen einzubeziehen. Statt dessen gibt es alle möglichen „Sonder- und Förderschulen“, die nur noch eine stärkere Trennung und Unverständnis gegenüber dem Leben mit Behinderung hervorruft. Obwohl genau das Gegenteil notwendig wäre um gegen Diskriminierung und Pathologisierung zu kämpfen und den Menschen ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.